Tutorial: Burda, Ottobre & Co entschlüsseln

Neulich bei mir zu Hause:

18:55 Uhr: Ich bin auf der Suche nach einem Strampler-Schnittmuster für Babys! Da ich gerade keine neuen Schnittmuster kaufen mag, wühle ich mich durch meinen Stapel Burdazeitungen, der in meiner Nähnische auf einem Holzregal tront.

19:07 Uhr: Ich habe ein Schnittmuster gefunden, sieht gut aus, ABER…..

19:15 Uhr: Ich hadere mit mir. Vielleicht sollte ich doch einfach ein Schnittmuster-Ebook kaufen. Die sind schliesslich einwandfrei erläutert und bebildert und in Null-komm-nichts ausgeschnitten und zusammengeklebt

19:17 Uhr: Ich haue die Zeitung zurück auf den Burdastapel!

19:18 Uhr: Ein Zeichen des Himmels. Mein Holzregal kracht mit mega Krawumm auf unseren (neuen) Parkettboden. Zurück bleiben ein paar Löcher in der kahlen Wand!

Jaaaaa, dass hat sich haargenau SO zugetragen. ;O)

Lange Rede, kurzer Sinn…ich habe daraufhin die einschüchternde Burda ordentlich auseinander genommen und zeige euch heute, wie ihr BURDA, OTTOBRE & CO. von A – wie Anleitung bis S – wie Schnittmusterbogenhölle verstehen und entschlüsseln könnt, um die tollen Schnitte auch WIRKLICH nachzunähen! :O)

Als Beispiel nehme ich hier das Schnittmuster Nr 20 aus dem Heft OTTOBRE KIDS 03/2015.

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Auf der Präsentationsseite finden wir zu allererst ein Designbeispiel, eine kleine Beschreibung, die die Grössenreichweite des Schnittmusters kennzeichnet und eine Stoffempfehlung.

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Unser Schnittmuster wurde mit Nr. 20 numeriert und kann somit direkt im Anleitungsteil, der meist mittig im Magazin ist, gefunden werden.

Im Anleitungsteil befinden sich alle relevanten und wichtigen Informationen zu jedem Schnittmuster im Heft:

– Materialbedarf

– Schnittliste (eine Liste mit den einzelnen Schnittmusterteilen, die wir für unser Kleidungsstück benötigen)

– Informationen zur Position auf dem Schnittmusterbogen

– eine bilderlose Anleitung mit den einzelnen Arbeitsschritten

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Mit einem Textmarker markieren wir uns nun folgende Informationen

– den Schnittbogen – in diesem Falle ist es Schnittbogen C

– die Farbe des Schnittmusters auf dem Schnittmusterbogen – in diesem Falle Orange

– die Schnittliste – in diesem Falle müssen wir auf unserem Schnittmusterbogen (C) drei Schnitteile (in Orange) suchen! Ein Vorderteil, ein Hinterteil und die Kaputze

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Hinweis!

In BURDA gibt es zusätzlich die Numerierung einzelner Schnittteile, da es vorkommen kann, dass zwei verschiedene Schnittmuster in den gleichen Farben auf dem gleichen Schnittmusterbogen zu finden sind. Beispielweise ein Rock und ein Shirt, damit es nicht zur Verwirrung kommt (und Burda scheinbar keine Investition in weitere Druckerfarben unternehmen kann) werden die Teile jedes Schnittmusters numeriert. Es könnte also heissen “Shirt A – Bogen C, Farbe Orange von 241-243” und “Rock B – Bogen C, Farbe Orange von 244 – 250” Das heisst, ihr sucht dementsprechend auf Bogen C ALLE orangen Schnittmusterteile und müsst nur noch die Numerierung beachten und habt somit eure richtigen Schnittmusterteile.

Zurück zu OTTOBRE:
Wenn wir unseren Schnittmusterbogen vorsichtig aus dem Magazin lösen und vor uns ausbreiten, sehen wir die verschiedenen Schnittmusterbögen vor uns. In diesem Falle von A – F.

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Wir erinnern uns daran, dass wir auf unserem Bogen C alle orangefarbenen Linien suchen müssen um unser Schnittmuster zu individuieren und dieses aus drei Teilen (Vorder- und Hinterteil und die Kaputze) besteht.

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Hier habe ich gekennzeichnet, wo bzw. wie genau man diese Teile auf unserem Bogen erkennt erkennt.

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Tipp!

Wer noch nicht lange näht und wenig Schnittkenntnisse besitzt, kann sich ebenfalls die kleine Grafik der Schnittteile im Anleitungsteil zur Hilfe ziehen. Dort sehen wir genau, welche Umrisse die einzelnen Bestandteile unseres Schnittes haben. Das ist besonders beim Burda-Chaos mit mehreren gleichfarbigen Schnitten auf dem gleichen Bogen sehr hilfreich!!!

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Perfekt! Wir haben nun unser Schnittmuster auf dem Bogen lokalisiert und müssen das Schnittmuster nur noch Stück für Stück “kopieren”!

Wieso?

Ganz einfach. Wir können die teilweise überlappenden Schnittmuster nicht einfach aus dem Bogen ausschneiden. Das würde jedes weitere Schnittmuster auf dem Bogen zerstören UND jeder von uns wächst! Ihr könntet das gleiche Schnittmuster in ein paar Monaten in einer völlig anderen Grösse benötigen und werdet dann auf das rohe Muster zurückkommen müssen um euch die neue Grösse zu kopieren.

Beim Kopieren gibt es verschiedenen Methoden.

Methode A: Ihr legt Kopierpapier, normales Druckerpapier, Backofenpapier, Klarsichtfolie, Malerrollenpapier (etc.) AUF den Bogen. Günstigerweise sollten die Linien des Schnittmusters durchschimmern, um diese perfekt nachziehen und somit auf eurer Papier kopieren zu können. (Funktioniert leider bei Burda und deren seeehr durchsichtigen Papier leider nicht immer! )

Methode B: Ihr legt das Papier eurer Wahl UNTER den Schnittmusterbogen und umfahrt die Linien des Schnittmusters mit einem Kopierrad. Die Linien werden somit durch kleine Punkte auf das unterliegende Papier übertragen und können anschliessend dort ohne Probleme nachgezeichnet werden.

Das hat den Vorteil, dass man weder beim Entziffern der Linien erblindet, noch dass man sich im Schnittmuster verheddert (wie bei Methode C).
Methode C: Ihr Klebt mit Washi-Tape (das einfach wieder zu entfernen ist) ein Papier eurer Wahl AUF den Schnittmusterbogen über das erste Schnittmusterteil (und anschliessend auf jedes weitere), stellt euch gegen ein grosses Fenster, wo idealeweise jede Menge Licht einfallen sollte und kopiert die sanften Linien so auf euer Schnittpapier. Das ist leider alles andere als bequem und man fühlt sich zeitweise eingehüllt wie in einem Kokon und das ganze geht mächtig auf die Arme!

Methode D: Ihr habt keine Lust auf Muskelkater in den Armen, kein Kopierrad zu Hause und das Schnittmuster lässt sich durch normales Papier nicht abpausen? Letzte Möglichkeit sind Klarsichtfolien. Die kann man ganz einfach aufschneiden, so wird aus A4 direkt A3, legt diese AUF die einzelnen Schnittmusterlinien, paust diese ab, schneidet dann nur noch die Folien aus und hat somit sein Schnittmuster auf Folie.

Tipp!:

Denkt immer daran eure einzelnen Schnittmusterteile zu beschriften!
Es gibt nichts schlimmeres als ein Berg voller Schnittmusterteile, die man am Ende weder einem Schnitt noch einer Grösse zuordnen kann! Auf meinen Schnitteilen versehe ich jeweils

– die Ausgabe des Magazins

– den Namen des Schnittmusters

– die Grösse

– Schnittteil (Ärmel, Hinterteil, Kaputze, etc)

– Etwaige Hinweise wie Nahtzugaben, Brüche, Fadenverläufe (die man in der Anleitung nachlesen kann)

Nun bleibt uns nichts weiter übrig als mit Hilfe der Anleitung (Augen zu und durch) unser ganz peröenliches Unikat mit Schnittmustern aus BURDA, OTTOBRE & Co herzustellen!

Was sagt ihr?
Traut ihr euch nun?
Ich hoffe, dass euch meine kleine Erläuterung helfen wird, die unendlich wachsenden Stapel an Schnittmusterzeitungen anzugehen! Manchmal gibt es kleine Unterschiede von einem Magazin zum Anderen, aber im grossen und ganzen funktionieren sie alle gleich! Probiert es doch mal mit einem ganz einfachen Stück, dass nur wenige Schnittteile braucht!

Noch ein Nachwort!

Prinzipiell würde ich KEINEM ANFÄNGER empfehlen direkt mit einem Schnittmuster wie aus BURDA, OTTOBRE & Co loszulegen. Die Anleitungen sind bei (fast) allen Schnittmustermagazinen bilderlos und die spärlich beschriebenen Anleitungsschritte können schnell Frust auslösen, wenn man etwas nicht versteht oder gründlich beschrieben ist. Das “erste Mal” beim Nähen gestaltet sich mit Schnittmuster-Ebooks sehr viel leichter. Dort sind alle Schritte detailgenau beschrieben und fotografisch dargestellt, zu dem gibt es meist eine grosse Community dahinter, die man bei aufkommenden Fragen um Hilfe bitten kann!

Falls ihr Fragen zu meiner Anleitung habt, dann fragt doch einfach :O)

Schreibt mir einen Kommentar oder eine Mail, wenn ihr das nicht öffentlich tun wollt. Die Adresse findet ihr oben rechts im Menupunkt unter der “Über mich”-Seite und wenn euch mein Beitrag gefällt, dann zeigt mir das doch mit einem “Gefällt mir!” oder Folgt meinem Blog (durch Eingabe eurer Mailadresse im Menu oben rechts) um über meine neusten Beitraege direkt per Mail benachrichtigt zu werden :O)

verlinkt bei: creadienstag

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6 Gedanken zu “Tutorial: Burda, Ottobre & Co entschlüsseln

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